Rhein - Ruhr Megaplex, 13.09.2152 - früher Morgen – Ebene 6 Ein Murren stieß aus einer der Ecken des Apartments. Schlierenhaft ebeneten sich die Erinnerungen an den Abend in die Aufwachphase Mercys. Nicht dass er je das Gefühl hatte, wirklich zu träumen, doch immer kurz bevor er aufwachte wurde ihm die Welt seiner Phantasie bewusst. „No god can give us peace without showing the inner circle of the hell ...“ Verheißungsvoll brannten sich die Worte mit samt der grotesken Hintergrundgeräusche in seinen Kopf. Es war eine dunkel klingende Männerstimme, die so eben eine Verbindung zwischen seinen real erscheinenden Schlafhalluzinationen und der Fratze von Dice hergestellt hatte. Die Verzerrung seiner Gedanken, welche er gerne wie seinen Schlaf behalten hätte, war nun gut aus Mercys Gesicht zu lesen. Selbst, oder gerade weil es der letzte Versuch war, sich in eine Welt zu bringen, die berfreit von der Sucht des stetigen Vorranschreitens ist, scheiterten seine Bemühungen. Es war das erste Scheitern an diesem Tage, dennoch nur eines von vielen ungezählten seines Lebens.

Mit einem Ruck befördete der Zwanzigjährige seine Oberkörper in die Vertikale. Manisch fiel der erste Blick auf seinen Laptop, welcher die Musik abspielte. Mercy war nicht nur ein Liebhaber der Elektroszene des frühen 21ten Jahrhunderts, sondern auch ein Pedant in Sachen Sicherheit. Selbst in Ebene 6 störte es niemanden, wenn einer wie er einfach verschwand. „Ob es überhaupt eine Ebene gibt in der man sich stört wenn Menschen verschwinden?“ Diese Frage stand kaum länger, als ihre Formulierung im Raum. Existenz schien nur in den seltensten Fällen eine Anomalie des Lebens darzustellen. Zumindest entschied er sich dafür. Mit einer Hand strich er sich durch's Haar. Es war wie zu erwarten von der Nacht in Stellung gebracht worden, doch alles was er fühlte war der kalte Stahl auf der Kopfhaut. Das Kabel war nicht angeschlossen. Mercy hatte den richtigen Laptop in den Stunden seiner Abwesenheit angelassen. Von der genauen Tageszeit nicht besonders fasziniert, stieß er seinen Körper weg von der Matratze. Faulheit wurde nicht bezahlt - nicht mal bei Garry.

Es brauchte nicht viele Schritte um in das Zimmer zu gelangen, in dem man in höheren Sozialenschichten seiner Körperplege nach ging. Mercy steckte nur kurz seine Hand in die Unterwäsche, um sich am Hoden zu kratzen bevor er sich fertig machte zum Urinieren.

Auf der Couch lag sein Paletot. Neben einer kleinen Fläche, die ihm wohl gestern noch zum Sitzen diente, stapelten sich auf der Couch viele Dinge. Kleidung, Kabel, Drogen, Discs, Müll und letzten Endes sein Paletot. In dessen Innentasche er nun zielsicher griff. Das Kärtchen von Dice war nichts besonders. Ein Stück Plastik in das stümperhaft einige Zahlen eingeritzt wurden. Mechanisch schaltete Mercy den anderen Laptop ein und wählte nach kurzer Zeit die Nummer.

binat am 15.10.08 19:31

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen