Sehr schnell wurde an der anderen Seite das Gespräch angenommen, doch zu hören war vorerst nichts als Martialische Musik in alter, hochdeutscher Sprache:

"Das Wasser soll dein Spiegel sein - erst Wenn es Glatt ist, wirst du sehen - Wie viel Märchen dir noch bleibt!" 

Der Screen blieb vorerst dunkel, bis ihn eine Hand durchzischte und offenbar die Musik leiser drehte. Danach tauchte Dice' Gesicht mit einer Zigarette in der Mitte und einer Menge Rauch um ihn Herum im Bildschirm auf.
"Ahhh - Who hab'n we denn here?!" Eine weitere Rauchwolke.
Hinter seinem Gesicht war das Zimmer völlig Dunkel, nur der Bildschirm strahlte ihn an.
"What need'ste? Another kick? This time wird's nicht umsonst" Er zog die Haut um den Linken teil seiner Augenbatterie zusammen und die Augenbraue nach unten - Eine weitere Variante seiner Zwinkerimitationen.
"Oder willste etwa Work? Ich pay great
I think I Think - You want work, sagt mine Instinkt"
Ohne das das Schicksal der alten bekannt wurde, nahm er vom Bildschrimrand eine Neue Zigarette und Zündete sie an.
Dabei kam seine linke zum ersten Mal ins Bild: Solange sie das Feuerzeug hielt, hielt auch die Münze zwischen zwei Fingern still.

"I'm ne Art Terrorist, you see?
And I will to shock the Fine Leuts die Außen wohnen - By this Gelegenheit is ne Menge abzugreifen too, aye?
Kannst dir sure selbst denken, dass die action nicht ohne risks abgehen wird und schon gar nicht legal
In Short - What are du in der Lage to and what are you bereit to do?
Was sind your Skills?
Equipment bring I - Look for a fine Waffe im Internet huh?"
Er schnickte die Zigarette über den Bildschirm hinweg ins nichts.
"Make Meldung, if you are ready - In four Days is Briefing"

Ohne weiteren Kommentar beendete er die Verbindung.

1 Kommentar rising am 20.10.08 21:48, kommentieren

Werbung


Rhein - Ruhr Megaplex, 13.09.2152 - früher Morgen – Ebene 6 Ein Murren stieß aus einer der Ecken des Apartments. Schlierenhaft ebeneten sich die Erinnerungen an den Abend in die Aufwachphase Mercys. Nicht dass er je das Gefühl hatte, wirklich zu träumen, doch immer kurz bevor er aufwachte wurde ihm die Welt seiner Phantasie bewusst. „No god can give us peace without showing the inner circle of the hell ...“ Verheißungsvoll brannten sich die Worte mit samt der grotesken Hintergrundgeräusche in seinen Kopf. Es war eine dunkel klingende Männerstimme, die so eben eine Verbindung zwischen seinen real erscheinenden Schlafhalluzinationen und der Fratze von Dice hergestellt hatte. Die Verzerrung seiner Gedanken, welche er gerne wie seinen Schlaf behalten hätte, war nun gut aus Mercys Gesicht zu lesen. Selbst, oder gerade weil es der letzte Versuch war, sich in eine Welt zu bringen, die berfreit von der Sucht des stetigen Vorranschreitens ist, scheiterten seine Bemühungen. Es war das erste Scheitern an diesem Tage, dennoch nur eines von vielen ungezählten seines Lebens.

Mit einem Ruck befördete der Zwanzigjährige seine Oberkörper in die Vertikale. Manisch fiel der erste Blick auf seinen Laptop, welcher die Musik abspielte. Mercy war nicht nur ein Liebhaber der Elektroszene des frühen 21ten Jahrhunderts, sondern auch ein Pedant in Sachen Sicherheit. Selbst in Ebene 6 störte es niemanden, wenn einer wie er einfach verschwand. „Ob es überhaupt eine Ebene gibt in der man sich stört wenn Menschen verschwinden?“ Diese Frage stand kaum länger, als ihre Formulierung im Raum. Existenz schien nur in den seltensten Fällen eine Anomalie des Lebens darzustellen. Zumindest entschied er sich dafür. Mit einer Hand strich er sich durch's Haar. Es war wie zu erwarten von der Nacht in Stellung gebracht worden, doch alles was er fühlte war der kalte Stahl auf der Kopfhaut. Das Kabel war nicht angeschlossen. Mercy hatte den richtigen Laptop in den Stunden seiner Abwesenheit angelassen. Von der genauen Tageszeit nicht besonders fasziniert, stieß er seinen Körper weg von der Matratze. Faulheit wurde nicht bezahlt - nicht mal bei Garry.

Es brauchte nicht viele Schritte um in das Zimmer zu gelangen, in dem man in höheren Sozialenschichten seiner Körperplege nach ging. Mercy steckte nur kurz seine Hand in die Unterwäsche, um sich am Hoden zu kratzen bevor er sich fertig machte zum Urinieren.

Auf der Couch lag sein Paletot. Neben einer kleinen Fläche, die ihm wohl gestern noch zum Sitzen diente, stapelten sich auf der Couch viele Dinge. Kleidung, Kabel, Drogen, Discs, Müll und letzten Endes sein Paletot. In dessen Innentasche er nun zielsicher griff. Das Kärtchen von Dice war nichts besonders. Ein Stück Plastik in das stümperhaft einige Zahlen eingeritzt wurden. Mechanisch schaltete Mercy den anderen Laptop ein und wählte nach kurzer Zeit die Nummer.

1 Kommentar binat am 15.10.08 19:31, kommentieren

Wie Mercy es kurz vorher mit der Münze getan hatte, steckte er sowohl das kleine Päckchen sowie die Karte in die Tasche seine Paletots. Die Verwirrung stand ihm ins Gesicht geschrieben. Nicht einmal zehn Minuten waren vergangen in denen er einer kleinen Unachtsamkeit folgend einen neuen Auftrag bekommen hatte und wieder ganz allein auf dieser einsamen Ebene verweilte. Es war nur das dumpfe fast kaum wahrnehmbare Dröhnen der Highstreams aus den Uppersessions zusätzlich zum lethargischen Krachen einzelner Konstruktionsteile zu vernehmen. Immer noch unter der Lampe stehend richtete Mercy sein Blick nach oben, dort wo er wohl bald wieder sein würde. Die fallende Melancholie dieses Bereichs ausgedrückt durch einzelne herunterkommende Regentropfen, deren biologische Herkunft nicht zu bestimmen war, baten nicht nur dem Licht eine Möglichkeit sich drin zu spiegeln. Als hätte die Zeit für einen winzigen Augenblick aufgehört voran zu schreiten, fiel einer dieser in genauer Beobachtung Mercys von einem Vordach. In seiner Illusion frei schwebend schien es ihm, als könne er sich für einen Moment selbst in die Augen sehen, die so sehr nach Wärme schrieen. Es war sicherlich nichts Neues für ihn, doch die Realität so direkt zu spüren lies einen hellen Schmerz durch seinen Körper zucken. Geräuschlos schlug sie auf und verband sich mit dem nassen Boden. Weder ihr Aufschlagplatz noch ihr jetziger Verbleib waren noch nachvollziehbar. Scheinbar unbeeindruckt schritt er voran mit beiden Händen in den Taschen zielstrebig zu seinem Vehicle. Zu sehr konnte er sich gerade mit diesem einfachen Stück Wasser identifizieren. Zu sehr war er nun durchflutet von seinen eigenen Expressionen, dass er es noch lange hier ausgehalten hätte. Kopfschüttelnd doch seines Weges sicher, bahnte Mercy sich nun seinen Weg um zu fliehen – fliehen vor sich selbst.

Binat am 21.2.08 20:14, kommentieren

"Gib nich' Garry die Schuld... er hat mir schon vor Tagn die Beschreibung gegeben... un' today haste meine Münze gefunden... ein Zufall" Er zog eine Braue nach unten und neigte den Kopf in diese Richtung, die groteske Immitation eines Augenzwinkerns.
"Flush, huh? Vorsichtig mit dem Zeug" sagte er grinsend, und warf Mercy eine Dosis zu "Der geht auf's Haus - aber dont get used to!"
Danach holte er eine Karte heraus und gab sie ihm.
"Phon - Nummer und sowas, melde dich einfach, wennde soweit bist"

Damit dreht er sich um und ging leichtfüßig in die Dunkelheit.

rising am 21.2.08 16:29, kommentieren

„Garry...“ murmelte Mercy. Alles war ihm heute lieb gewesen. Es war einer seiner freien Abende, die er mit einem melancholischen Spazierganz im „Down“, wie Dice es nannte, krönen wollte. Danach wäre er wieder zurück in Ebene 6, um mit Dragonflush in den Venen einzuschlafen. Bei diesem Gedanken musste er unweigerlich zusammen zucken, denn er hatte ganz vergessen heute bei Tobrugh vorbei zu gehen. Er hatte Vorrat bestellt, ihm war die Droge ausgegangen. Das bedeutet nicht nur eine Menge Ärger, nein auch einige Wochen keine Dragonflush. Nicht dass sich Mercy als Abhängig bezeichnen würde, doch hatte er gefallen. Sie gab ihm die Möglichkeit befreit von allen Gedanken einzuschlafen, vor allem war sie wichtig für sein kleines Projekt. Die Droge besaß einige Übermittlungsstoffe ohne die, die synthetische Datenübertragung schlichtweg unmöglich wurde. Zumindest hatte er es nie ohne Flush probiert, da es einige Gerüchte gab, welche ebenso unbestätigt waren wie das Gerücht, dass der Staat an synthetischer Datenübertragung arbeitet. Es seien ein paar Hobbyhacker gestorben bei dem dilitantischen Versuch sich Daten ins Hirn zu schießen, ohne vorher Flush genommen zu haben. Da Mercy aber vor zwei Monaten eine Disc mit Dateien aus dem Projekt zu geschoben bekommen hatte und selbst schon fünf Versuche überlebte, welche wenigstens einwenig erfolgreich waren, verließ er sich auf das was er hörte. Das war im allgemeinen besser in dieser Welt. Somit entschied sich Mercy, dieser Gestalt seinen Glauben zu schenken, aber nicht ganz ohne Eigennutz. „Hast du Flush dabei?“ murrte er. „Garry weiß genau, dass ich es vorziehe meine freien Abende in Einsamkeit zu verbringen. Und nun habe ich so einen wie dich an der Backe, der aussieht als wäre er auf dem Highstream unter die Cars gekommen. Fuck off! Hast du den Bastard eigentlich zur Strecke gebracht, der mit dem Tank über deinen Arsch gefahren ist?“

1 Kommentar binat am 20.2.08 20:35, kommentieren

Ruhig zog er an seiner Zigarette und blies eine Wolke dichten Qualms in Richtung Decke, bevor er Antwortete. „Chummer, even oder gerade im dreckigsten Loch gibt’s Glück!“ Dabei machte er von der Höhe des Magens aus mit seinen Händen eine nach oben führende, umeinander wirbelnde Geste (wobei die Münze immernoch darin umhersprang). „Down here sehen das die wenigsten…  's is’ der Grund aus dem ich here bin.“ Er kicherte leise und sprang rückwärts – in entgegengesetzter Richtung zu Mercy – von der Mülltonne. „ Bei dir schien mir das anders, schließlich hast’ die Coin gefunden, huh? Mir bringt die jetzt gar kein Glück mehr… hatse aber lang’! Nu’ soll ’se dir Glück bring’n, ich hab ja schließlich meine own one“ Dabei hielt er demonstrativ die Rechte hoch, in der er immer noch mit der Münze spielte. Wieder zog er an seiner Zigarette, welche er nun zwischen Daumen und Zeigefinger hielt. Dabei runzelte er die Stirn und zog die Brauen zusammen, was mit den Cyberaugen – wie seine Gesamte Mimik – ungewohnt anmutete.

„Man, ich hab’ ganz das Misstrauen auf dieser Ebene vergessen! Und meine Manieren erst!“ er lachte. „Ich bin Dice, man“

„Pass auf, lass uns kein’n big Deal draus machen. Wie der Zufall es will, bist du ausgerechnet der, zu dem Garry mich schickt! Ich hab was zu erledigen und brauch’ n bisschen bezahlte help dabei…. Hast just drauf?“

rising am 20.2.08 19:53, kommentieren

Mercy gefror umgehend jegliche Emotionsfähigkeit in seinem Gesicht ein. Er war kein Freund von Cyborgs, auch oder gerade wegen seinem Unfall, der ihn den rechten Arm kostete. Irgend einer dieser reichen Haie hatte ihm, während er betäubt vom Schmerz im Hospital for Criticalacidentvictims in Altgelsenkirchen um sein Leben kämpfte, einen Cyborgarm besorgt. Für Mercy stand fest, es ging nicht um ihm, sondern um die masturbierende geistige Befriedung. Niemals traf oder erfuhr er den Namen seines Spenders, was ihn in seiner Vermutung bestätigte. Er hatte sich zwar mittlerweile an diese Anomalie gewöhnt, doch stieß er sie im Bewusstsein weiterhin ab. Mercys alter dunkelbrauner Mantel gab ihm nicht nur Sicherheit. Er verschaffte ihm in Momenten wie diesen, in denen Licht auf das nasse Obermaterial fiel auch eine charismatische Aura. Beide Hände steckten in Textilhandschuhen, so dass niemand der Mercy nicht kannte sein Geheimnis erahnen konnte. Geschick lies er die Münze in einem Handschuh verschwinden und schob sie so unbemerkt tief in einer der vollen Taschen seines Paletots. Diese Begegnung war somit weder gewollt, noch konnte er sich an dem abstoßende Wesen Faszination empfinden. Er hätte sich nun gerne umgedreht, aber die Gefahr von einem Outlaw hinterrücks erstochen zu werden war ihm zu groß. Trotz seines Bemühens nicht beleidigend zu werden, konnte er seinen Missmut nicht in seinem Ton verbergen. Abwertend, jedoch sicher „Welch’ Glück sollte sie dir nun bringen? Hier unten scheint mir dieses Wort eher wie bittere Ironie zu schmecken.“

binat am 20.2.08 18:12, kommentieren